Ausbildung oder Studium: Der Zahlenvergleich, den Schulabgänger selten sehen
Wer eine Ausbildung macht, verdient ab Tag eins. Wer studiert, startet später mit mehr. Wann sich das Studium rechnet und wann nicht — mit Zahlen statt Bauchgefühl.

Die Frage nach Ausbildung oder Studium wird meist mit Gefühlen beantwortet, dabei ist sie überraschend gut rechenbar. Es gibt drei Größen, die den Vergleich bestimmen: was während der Ausbildung verdient wird, was das Studium kostet, und wie weit die Einstiegsgehälter danach auseinanderliegen.
Die erste Größe: Vergütung ab dem ersten Tag
Eine duale Ausbildung wird bezahlt, und zwar gesetzlich garantiert. Nach § 17 Berufsbildungsgesetz gilt eine Mindestausbildungsvergütung, die jährlich steigt; tarifgebundene Betriebe zahlen fast immer deutlich mehr. In der Praxis liegen die Werte je nach Beruf zwischen rund 1.000 und 1.400 Euro im ersten Lehrjahr. Wer die realen Zahlen für einen konkreten Beruf sehen will: Das Portal Ausbildungsplatz.net wertet die Vergütungen aus echten Stellenanzeigen der Bundesagentur aus und nennt den Median je Lehrjahr — das sind keine Tariftabellen, sondern das, was Betriebe tatsächlich anbieten.
Über drei Jahre kommen damit netto rund 30.000 bis 40.000 Euro zusammen, zu denen ein Studierender in derselben Zeit im Regelfall Kosten hat.
Die zweite Größe: Was das Studium kostet
Studiengebühren gibt es an staatlichen Hochschulen in Deutschland nicht, Semesterbeiträge und Lebenshaltung aber sehr wohl. Ohne BAföG oder Unterstützung der Eltern sind fünf Jahre Studium mit Nebenjob eine Rechnung von 40.000 bis 60.000 Euro Lebenshaltung bei geringem Einkommen. Der Unterschied zur Ausbildung beträgt am Ende des Studiums also oft 70.000 Euro und mehr — das ist der Rückstand, den das höhere Gehalt danach aufholen muss.
Die dritte Größe: Das Einstiegsgehalt danach
Hier liegt der Vorteil des Studiums, aber er ist kleiner als oft angenommen. Absolventen mit Bachelor starten je nach Fach mit 3.500 bis 4.800 Euro brutto, Fachkräfte nach Ausbildung mit 2.600 bis 3.400 Euro. Die Lücke beträgt also grob 1.000 bis 1.500 Euro monatlich, netto entsprechend weniger. Bei einem Rückstand von 70.000 Euro dauert es damit acht bis zwölf Jahre, bis das Studium gleichgezogen hat.
Was die Rechnung verschiebt
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Meister, Fachwirt, Techniker nach der Ausbildung | hebt die Ausbildungskurve auf Bachelor-Niveau, gefördert über Aufstiegs-BAföG |
| Duales Studium | vereint beides, verlangt aber hohe Belastbarkeit ohne Semesterferien |
| Studienabbruch | trifft rund ein Viertel der Studierenden und kostet Jahre ohne Abschluss |
| Rentenpunkte | die Ausbildung zahlt von Anfang an ein, das Studium nicht |
Die ehrliche Antwort
Über zwanzig Jahre gerechnet gewinnt das Studium in den meisten akademischen Berufen. Über zehn Jahre gerechnet gewinnt fast immer die Ausbildung. Wer Geld über Jahre vergleicht, sollte Wertbeständige Finanzentscheidungen auch mit Blick auf Inflation einordnen. Und in vielen Berufsfeldern — Handwerk mit Meister, Pflege mit Fachweiterbildung, IT mit Zertifikaten — ist der Unterschied am Ende so klein, dass die Entscheidung besser nach Neigung fällt als nach Tabelle. Wer beides durchrechnen will, findet bei Ausbildungsplatz.net einen Rechner, der die Kurven über die eingegebenen Jahre gegenüberstellt.
Bild: Yan Krukau via Pexels



