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Klima der Kanaren: Warum jede Insel anders ist

Teneriffa empfängt Besucher mit Wolken im Norden und Sonnenschein im Süden, während Lanzarote fast ganzjährig trocken bleibt. Warum das Klima der Kanaren von Insel zu Insel so stark variiert, erklärt dieser Beitrag.

Von Redaktion Wissens-Forum · 21. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Klima der Kanaren: Warum jede Insel anders ist
Klima der Kanaren: Warum jede Insel anders ist
Zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026Ressort Gesellschaft

Wer die Kanarischen Inseln nur als pauschales Reiseziel mit garantiertem Sonnenschein betrachtet, erlebt gelegentlich eine Überraschung. Ein Urlauber, der im Februar nach Puerto de la Cruz auf Teneriffa fliegt, packt womöglich die Regenjacke aus, während sein Bekannter zur gleichen Zeit auf Fuerteventura in kurzen Hosen am Strand liegt. Beide sind auf den Kanaren. Beide erleben völlig unterschiedliches Wetter. Das ist kein Zufall.

Der Passatwind als wichtigster Faktor

Der Nordostpassat ist die entscheidende Größe im Klimasystem der Kanaren. Er weht nahezu das ganze Jahr aus Richtung Nordost und transportiert feuchte Meeresluft vom Atlantik in Richtung der Inseln. Diese Luft kann allerdings nur dann Wolken und Regen produzieren, wenn sie auf ein Hindernis trifft, das sie zum Aufsteigen zwingt. Genau hier liegt der Unterschied zwischen den Inseln.

Die westlichen und zentralen Inseln, allen voran Teneriffa, Gran Canaria und La Palma, besitzen erhebliche Höhen. Der Teide auf Teneriffa ragt 3.715 Meter über den Meeresspiegel. Wenn feuchte Passatluft auf diese Erhebungen trifft, steigt sie auf, kühlt ab und bildet eine charakteristische Wolkendecke, die lokal als Mar de Nubes bekannt ist. Diese Wolkenschicht liegt typischerweise zwischen 600 und 1.500 Metern Höhe. Alles darunter, also die Nordseite der Insel, liegt oft im Grau. Alles oberhalb, sowie die gesamte Südseite, genießt blauen Himmel. Das ist auch für Photovoltaik interessant, weil die Beratung zu geeigneten Anlagen dort ansetzt: hier weiterlesen.

Teneriffa als Musterbeispiel des Klimagegensatzes

Kaum eine Insel illustriert dieses Phänomen so deutlich wie Teneriffa. Der Norden, mit Städten wie Santa Cruz und Puerto de la Cruz, zählt jährlich rund 700 Millimeter Niederschlag. Die Vegetation dort ist üppig und grün, Lorbeerwälder bedecken die Hänge. Der Süden der Insel, rund um Adeje und Los Cristianos, kommt auf kaum 150 Millimeter im Jahr. Dort dominieren karge Vulkanlandschaften und die großen Hotelanlagen der Tourismusbranche. Die Entfernung zwischen beiden Klimazonen beträgt Luftlinie keine 50 Kilometer.

Gran Canaria funktioniert nach dem gleichen Prinzip, aber noch ausgeprägter. Der Nordwesten der Insel mit dem Pinar de Tamadaba gilt als einer der feuchtesten Orte des Archipels. Maspalomas im Süden ist eines der trockensten. Auf Gran Canaria spricht man deshalb gern von einem Kontinent in Miniaturformat, weil die Landschaftszonen so abrupt wechseln.

Die östlichen Inseln: Wüste vor der Haustür Afrikas

Lanzarote und Fuerteventura liegen dem afrikanischen Kontinent am nächsten, nur etwa 100 Kilometer von der marokkanischen Küste entfernt. Beide Inseln sind flach. Lanzarotes höchste Erhebung, die Peñas del Chache, misst 671 Meter. Fuerteventura bringt es auf maximal 807 Meter. Der Passatwind trifft hier auf keinen nennenswerten Widerstand, steigt nicht auf und produziert kaum Wolken.

Das Ergebnis sind extrem niedrige Niederschlagsmengen. Lanzarote registriert im Jahresmittel lediglich 150 bis 200 Millimeter Regen, und das ungleich über das Jahr verteilt. Die Landschaft ist entsprechend: schwarze Lavafelder, Kakteen, kein nennenswerten Wald. Hinzu kommt der Calima, ein Sandsturm aus der Sahara, der regelmäßig Dunst und Hitze über die Ostinseln legt und die Temperaturen kurzfristig auf über 40 Grad treiben kann. Für Touristen ist das selten angenehm, für die Landwirtschaft eine Katastrophe.

Wann und wohin: Reisezeit als konkrete Entscheidung

Diese klimatischen Unterschiede machen eine pauschale Reiseempfehlung für die Kanaren nahezu unmöglich. Wer im Winter Sonnenstunden maximieren will, fährt besser nach Fuerteventura oder auf die Südseite Teneriffas als in den Norden von La Palma. Wer Wanderungen durch Nebelwälder und grüne Schluchten plant, ist im Norden Gran Canarias oder auf La Gomera gut aufgehoben, auch wenn der Himmel dort häufiger bedeckt ist. Für alle, die ihre Reisedestination und den Zeitpunkt auf das tatsächliche Wetter abstimmen wollen, lohnt ein genauerer Blick auf die beste Reisezeit für die Kanaren, wo die Unterschiede zwischen den einzelnen Inseln monatlich aufgeschlüsselt sind.

Grundsätzlich gilt: Die Kanaren haben keine ausgeprägte Regenzeit im tropischen Sinn. Der meiste Niederschlag fällt zwischen November und März. Die Sommermonate Juli und August sind auf allen Inseln trocken, aber auf den westlichen Inseln auch dann teils bewölkt. Der Frühling, insbesondere April und Mai, zählt auf den meisten Inseln zu den angenehmsten Reisemonaten.

La Palma und El Hierro: Die grünen Außenseiter

La Palma ist die niederschlagsreichste Insel des Archipels. Der Nordosten der Insel empfängt in manchen Jahren mehr als 1.400 Millimeter Regen pro Jahr, vergleichbar mit feuchten Mittelgebirgslagen in Deutschland. Die Caldera de Taburiente, ein kolossales Einbruchsbecken mit Wänden von bis zu 2.000 Metern Höhe, fängt Feuchtigkeit wie eine Schüssel auf. Das macht La Palma zur grünsten Insel der Kanaren.

El Hierro, die kleinste und am weitesten westlich gelegene Insel, kombiniert Höhe mit Isoliertheit. Auch dort sorgen Passatwolken für vergleichsweise feuchte Bedingungen im Nordosten, während der Süden trocken und heiß bleibt. Wegen ihrer geringen touristischen Erschließung ist El Hierro klimatisch kaum dokumentiert, Langzeitaufzeichnungen existieren nur für wenige Messstationen.

Ozean und Meeresströmung als Temperaturanker

Ein weiterer Grund, warum das Klima der Kanaren trotz aller Unterschiede insgesamt mild bleibt, ist der Atlantik selbst. Der Kanarenstrom, ein kalter Meeresausläufer, zieht entlang der westafrikanischen Küste südwärts und hält die Wassertemperaturen rund um den Archipel vergleichsweise moderat. Im Sommer erwärmt sich das Wasser auf 22 bis 24 Grad, im Winter sinkt es kaum unter 18 Grad. Das verhindert extreme Hitzewellen im Sommer und mildert die Temperaturen im Winter. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt auf den meisten Inseln zwischen 18 und 22 Grad.

Dieser ozeanische Einfluss erklärt, warum die Kanaren als ganzjährige Reisedestination funktionieren, auch wenn das Klima von Insel zu Insel und innerhalb einer Insel erheblich variiert. Wer diese Unterschiede versteht, wählt Ziel und Zeitpunkt seiner Reise bewusster und vermeidet die typische Enttäuschung: Koffer voller Sommersachen, Ankunft im Wolkennorden.

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